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Windforfun

Ich glaub' es war so im August, da hab' ich es noch nicht gewusst,

dass Segeln doch was anderes ist, als Motorbootfahren - so ein Mist.

Der Dieter fragte harmlos nur: "Hans, kommst'e mit zur Segeltour?"

Ich musste kurz nur überlegen, der Zeit - und auch der Mäuse - wegen,

und kam dann schließlich zu dem Schluss: Ich komme mit! was muss das muss.


Vor jeder Reise, glaube ich schon, hat jeder Mensch seine Vision.

Ich malte mir das geistig aus: Am Morgen alle Segel raus,

Großsegel und die Genua, wozu sind denn sonst Segel da.

So pfeilschnell über's Wasser fliegen, am Vorschiff in der Sonne liegen

und weißen Wolken über'm Meer, denen schaute ich so hinterher.

Die Sonnencreme ist auch zur Hand, zum Schutze gegen Sonnenbrand

und abends vor dem Schlafengehn, verträumt die vielen Sterne sehn,

bewunderen das Abendrot, das dachte ich - ich Idiot


Als wir im Hafen angekommen hab'n wir die Schiffe übernommen.

'ne Luxusyacht für 8 Personen, die taten wir mit 4 bewohnen.

So pro Person 'nen eig'nen Raum, da hörte man das Schnarchen kaum.

Wir hatten Spaß, war'n voller Mut: Und morgen wird das Wetter gut.


Vier Frauen lagerten wir aus, die wohnten in 'nem eig'nen Haus.

Bestellt war auch ein Segellehrer. Der Plan war gut - die Tat war schwerer.

Wenn Frauen Segeln, das tut not, braucht frau dazu ein Segelboot.

Das Boot lag schon im andern Hafen, nicht zögern, oder drüber schlafen,

und die Entscheidung fiel nicht schwer, wir holen schnell das Boot hierher.

Zwei Skipper hab'n sich aufgemacht, das geht ruck zuck, hab'n sie gedacht.

Die Fahrt war nur von kurzer Dauer, schon länger war'n die Regenschauer

und endlich sind sie eingetroffen, zum Glück sind sie nicht abgesoffen,

es hat geschüttet wie aus Fässern. Ab morgen wird das Wetter besser!


Sie sind gleich los, auf nassen Sohlen, sich trock'ne Kleider schnell zu holen.

Man naß sich in kein Auto traut, die Sitze werden ja versaut

Nur Unterhosen, -hemden, Socken, die waren noch so halbwegs trocken.

doch Skipper sind keine Mimosen, dann fährt man halt in Unterhosen.

Der erste Tag war trotzdem schön, das kann man auf dem Video sehn.

Statt segeln hab'n wir notgedrungen, von Wind und Wellen nur gesungen.

doch eines woll'n wir nicht vergessen, wir haben die Frauen fast leergefressen

- Die Männer sind halt gute Esser. Ab morgen wird das Wetter besser!


Und dann, dann kam die erste Nacht. "Mich tritt ein Pferd!" hab ich gedacht

Ich konnt nicht liegen wie ich wollt', ich bin nur hin- und hergerollt.

und durch die Tür kam Schnarchen rein: Das musste wohl der Dieter sein.

Spät schlief ich ein, doch voller Mut: Ab morgen wird das Wetter gut.


So ist der Morgen dann gekommen. Der Wind - der hatte zugenommen!

Das Frühstück man niemals vergisst, isst mehr als als man zu Hause isst.

Ich wusste damals schon verschwommen, zwei Kilo hab ich zugenommen.

Im Hafen sind wir nicht geblieben. Der Wind der flaute ab - auf sieben!

und aus dem Hafen mit Hurra, da fuhren drei Bavaria

mit Motorkraft und wenig Segel, uns überholten sogar Vögel.

Selbst Binnen war das Segeln schwer, geschweige auf dem Ijsselmeer

und in der Schleuse, so beim Staken, verloren wir den ersten Haken.

Ein Bootssteg lud zum Üben ein, das liessen wir dann sehr schnell sein.

Wir drehten bei, und mit viel Glück, kamen zum Hafen wir zurück.

Der Sturm der hat ganz schön gepowert, die Einfahrt war wie zugemauert.

Wir wussten keinen andern Weg und legten an am Aussensteg.

Nur Skipper Ewald war im Glücke, er fand im Sturm 'ne kleine Lücke

                                   und fuhr grad in den Hafen rein.

                                   Ja - muss denn da ein Poller sein?!?!?


                                   Zum Glück ist auch nicht viel passiert,

                                   der Hafenmeister hat kassiert.


Der Ewald kann jetzt ruhig schlafen, hat Mitbesitz am Warnser Hafen.

Doch nicht vergessen, habt frohen Mut: Ab morgen wird das Wetter gut!


Am Mittwoch morgen, sieh mal an, es war kein Wind - es war Orkan!

Das Segeln konnten wir vergessen, statt dessen gab es wieder Essen.

Der Jürgen briet viel Rüherei, es war auch reichlich Speck dabei.

Zum Segeln war der Tag verlor'n, doch abends fuhren wir nach Hoorn.

Das machen wir am Mittwoch immer, den Gottesdienst verpasst man nimmer.

Der Priester war ein lust'ger Mann, nur dumm, dass man nicht holland's kann.

Doch die Gemeinde lacht sich krumm , wir wussten leider nicht warum.

's war was anderes - meinetwegen. Wir fuhren heim mit schönem Segen

gestärkt war'n wir und voller Mut: Ab morgen wird das Wetter gut.


Am Donnerstag, wollt ihr es wissen? das Wetter war erst recht beschissen.

Das Nichtstun fiel dem Dieter schwer, nur einmal raus auf's Ijsselmeer

"Ich fahre raus! Wer ist dabei?" Als ob die Frage nötig sei!

Wir legten ab, so schnell man kann, das Ölzeug und die Westen an,

schön angeleint fest an den Streben. Wir wollten endlich was erleben.

So fuhren wir auf's Ijsselmeer. Verdammt, was war das Wetter schwer!

Nur Wind und Wellen, wo man schaute. Windstärke 8 war schon 'ne Flaute!

Direkt am Anfang, welch ein Schreck, war'n plötzlich alle Mützen weg.

Nur meine ist nicht weggeflogen, sie war wohl doch recht gut erzogen.

So schräg am Wind, welch ein Genuß. Nur gut wenn man nicht kotzen muss.

Für mich war das der schönste Tag, obwohl ich lieber Sonne mag.

doch sicher legten wir dann an. Das war es also - Wind for Fun.


Am Freitag, es war nicht zu fassen, der Wind der hatte nachgelassen.

Die Frau'n hab'n bei uns angeheuert, Anita hat das Schiff gesteuert.

So drehten wir die letzte Stunde vor'm Hafen noch 'ne kleine Runde.

Der Abschied fiel uns allen schwer, vom Schiff - und auch vom Ijsselmeer

Zum Schluß, das woll'n wir nicht vergessen: in Lemmer gab's ein Abschiedessen.

Dann fuhr'n wir heimwärts. Uns war klar, dass es das letzte Mal nicht war!

Wir bleiben unserm Hobby treu. Ich sage jetzt nur noch: Ahoi!

doch eines frage ich mich nur: Gibt's nächstes Mal 'ne Segeltour?


Nun plant mal schön, habt frohen Mut: Das nächste Mal wird's Wetter gut!


Hans Trippo, Neuwied  


Nachruf auf einen Segeltörn